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Podcast mit Alexander Walkenhorst: Wie das Ökosystem Twitch funktioniert

Es gibt nicht viele aktive Profisportler, die von sich behaupten können, gleichzeitig erfolgreiche Unternehmer zu sein. Alexander Walkenhorst gehört ohne Zweifel zu den Wenigen. Im SPONSORs-Podcast spricht der amtierende deutsche Beachvolleyball-Meister über den Weg vom Leistungssportler zum Unternehmer und Gründer sowie das Potenzial des Ökosystems Twitch für den klassischen Sport.

Begonnen hat alles mit der Corona-bedingten Absage der Techniker Beach Tour im März 2020. Gemeinsam mit seinem Team rief Alexander Walkenhorst die „Die Beach Liga“ ins Leben. Für die Übertragung des neugeschaffenen Turnierformats gingen die Initiatoren einen innovativen Weg und setzten statt dem linearen Fernsehen auf die Streaming-Plattform Twitch – mit Erfolg. „Während der Beach Liga haben wir über 1,5 Millionen verschiedene Menschen erreicht“, blickt Walkenhorst im SPONSORs-Podcast auf das 30-tägige Event zurück. Für den Gründer des Sportcontent-Produzenten Spontent ist die Reichweite aber nicht das alleinige Erfolgskriterium. Walkenhorst hebt insbesondere die großen Interaktionsmöglichkeiten auf Twitch hervor: „Je nach Streamlänge haben 10 bis 20 Prozent der User aktiv am Chat teilgenommen und das 8- bis 15-mal pro Tag“. Dazu kommt, dass die Übertragungen vor allem von jungen Leuten gestreamt werden, die für den Sport über das klassische TV heute nur noch schwer zu erreichen sind. „82 Prozent unserer Konsumenten sind unter 34 Jahre alt“, berichtet Walkenhorst.

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Das Ökosystem Twitch – und sein Potenzial für den Sport

Twitch ist mit seinem Konzept einer Art Youtube für Live-Content auf dem Weg zum Mainstream-Medium: Die User-Zahlen steigen und der Content wird immer vielfältiger. Längst bietet die Plattform deutlich mehr als nur Gaming – auch Sportinhalte werden immer wichtiger. Doch wie funktioniert Twitch genau? Und welche Chancen bietet das Streaming-Portal dem klassischen Sport?

Das Potenzial von Twitch haben neben dem Beachvolleyball inzwischen auch andere Sportarten für sich identifiziert. So wurde das Final Four 2021 im Feldhockey sowie die Deutschen Meisterschaften im 3×3-Basketball und im Beachhandball ebenfalls auf dem Twitch-Kanal von TROPS4 (heute Spontent) übertragen. Die bislang mit Abstand größte Partnerschaft hat die Düsseldorfer Agentur im August dieses Jahres mit der Volleyball Bundesliga (VBL) abgeschlossen. Als erste Profiliga überhaupt zeigt die VBL ihre Spiele seit dem Start der Saison 2021/22 auf Twitch. „Bei uns ist ganz tief verankert, dass wir den Sportarten helfen wollen, die mediale Aufmerksamkeit zu bekommen, die sie unserer Meinung nach verdienen“, erklärt Walkenhorst. Insgesamt über 60 Sendungen wird es in der laufenden Spielzeit auf Spontent zur VBL geben. Bei dem auf drei Jahre angelegten Projekt gehe es nicht um „große Lizenzgebühren“, sondern vielmehr sei die Partnerschaft „sehr performance-basiert“ angelegt. Das heißt Spontent verdient anteilig an den Vermarktungserlösen der VBL.

Vier Säulen der Monetarisierung

Klassische Werbebanner gibt es bei den Twitch-Streams auf Spontent nicht zu sehen. „Wir versuchen unsere Partner immer zu 100 Prozent in die Show und das Geschehen zu integrieren“, erklärt Walkenhorst die für ihn wichtigste Monetarisierungsmöglichkeit auf Twitch – On-Screen-Aktivierung. Dazu kommen Abos, die von 3,99 Euro über 7,99 Euro bis zu 19,99 Euro gehen. Wie im linearen Fernsehen gibt es auch auf Twitch die Möglichkeit, die eigenen Streams über Werbung zu monetarisieren. Eine weitere Einnahmequelle auf Twitch sind Spenden. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, hat sich auf der Streaming-Plattform längst fest etabliert. „Wir haben bei den drei Events, die wir ausgerichtet haben, 140 000 Euro Preisgeld eingesammelt, welches wir an die Spieler ausgeschüttet haben“, sagt Walkenhorst. Spontent beschäftigt inzwischen zehn festangestellte Mitarbeiter und die Wachstumsaussichten sind gut: „Bisher haben wir immer eine Überperformance erreicht.“

Foto: SPONSORs / picture alliance

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